Vernetzungsworkshop der Stadt-Land-Plus-Projekte Integral und Wiebauin am 26. April 2021

Hintergrund

 

Die Stärkung zirkulärer Konzepte im Bauwerksbestand ist wesentliche Zielstellung der beiden Stadt-Land-Plus Projekte WieBauin und INTEGRAL. In beiden Vorhaben sind Informationen zum Materiallager in regionalen Bauwerksbeständen (Materialkataster) zugleich Grundlage und Mediator zur Umsetzung dieser Zielsetzung. Dies war Anlass für einen vertiefenden inhaltlichen Austausch zwischen den beiden Stadt-Land-Plus-Projektinitiativen im Rahmen eines übergreifenden Projektworkshops.

 

Ziel war es, sich über die verfolgten Konzepte zur Erstellung regionaler Materialkataster auszutauschen und die Anschlussfähigkeit der beiden Konzepte zu diskutieren, um so perspektivisch die Schlagkraft entsprechender Initiativen zu erhöhen.

 

Der Workshop wurde entlang drei inhaltlicher Blöcke organisiert:

 

    1)      Vorstellung des Katasterkonzept WieBauin mit anschließender Diskussion

 

    2)      Vorstellung des Katasterkonzept Integral mit anschließender Diskussion

 

    3)      Abschlussdiskussion: Anschlussfähigkeit und Synergien

 

Das „Wiebauin-Kataster“

 

WieBauin zielt u.a. darauf ab, die Wiederverwendung von Bauteilen innerhalb von Regionen voranzubringen. Das unterstützende Katasterkonzept verfolgt dabei zwei grundsätzliche Linien und Zielstellungen:

 

(a)    Aufbau einer Informationsgrundlage für kommunale Akteure zur Inwertsetzung von Gebäudebeständen und darin enthaltener Gebäudetypen im Sinne eines Lagers für wiederverwendbare Bauteile

 

(b)    Bereitstellung eines Kalkulationstools für Gebäudeeigentümer zur Berechnung des materiellen Wertes eines Gebäudes, der durch die Wiederverendung von Bauteilen potenziell gehoben werden kann.

 

Die Informationsgrundlagen sollen Akteure auf städtischer Ebene bei der Beratung von Einzeleigentümern abzureißender Gebäude unterstützen, um diese zu motivieren, sich mit dem Materiellen ihrer Gebäude auseinander zu setzen und eine Verwertungsstrategie der Wiederverwendung von Bauteilen anzustreben.

 

Das Konzept auf beiden beschriebenen Ebenen beruht im Kern auf Analysen von Einzelgebäuden und deren materieller Beschreibung differenziert nach Bauteilen, Materialkategorien und Baualtersklassen. Basis der Gliederungen und Mengenkalkulationen ist die DIN 276. Der Fokus liegt dabei auf Wohngebäuden. Über die Merkmale „Baualter“ und „Gebäudegröße“ werden individuell analysierte Gebäude zu Gruppen zugeordnet und als durchschnittliche „Gebäuderepräsentanten“ (pro Baualtersgruppe) beschrieben. Obgleich das Konzept offen angelegt ist, sind vor allem jene Bauteile besonders im Fokus, die sich zum aktuellen Stand des Wissens besonders für eine Wiederverwendung eigenen. Dies kann beispielsweise über Bauteilbörsen vermittelt werden.

 

Das „INTEGRAL-Kataster“

 

Die Anwendung des Katasterkonzeptes im Vorhaben Integral zielt auf die Unterstützung regionaler Recyclingkreisläufe nichtmetallischer mineralischer Materialien ab. Es soll Hilfestellung leisten, regionale Materialflüsse und potenzielle Austauschbeziehungen derer zwischen Stadt und Land nachzuzeichnen und besser zu verstehen. Anknüpfend daran sollen Entscheidungen bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder regionaler Wertschöpfung durch Baustoffrecyling unterstützt werden (Adressat: Recyclingindustrie). Schwerpunkte liegen dabei u.a. auf Fragen des Landmanagements hinsichtlich der Bereitstellung von Betriebsflächen für die Baustoffaufbereitung (Adressat: Stadtplanung bzw. Flächennutzungsplanung). Das verwendete Katasterkonzept greift hierbei auf konzeptionelle Grundlagen von Schiller et al. (2020) zurück. Es verfolgt einen Bottom-Up Materiaflussanalyse-Ansatz (MFA), basiert auf Materialkennziffern für Gebäudetypen und Bauwerke und kann unter Verwendung von Geodaten und statistischen Sachdaten für Hochrechnungen regionaler Materiallager mit flexiblem Raumbezug verwendet werden (vom Einzelgebäude über Stadtteile bis zu Gesamtstädten und Regionen). Berücksichtigt werden Wohn- und Nichtwohngebäude sowie Straßen. Die zugrundeliegenden Gebäudetypen sind modular aufgebaut und entlang von Bauteilen gegliedert. Ein wichtiger Aspekt des verwendeten Konzeptes ist die Darstellung der Durchgängigkeit der Informationen über den Lebensweg von Materialien: Von den Rohstoffen über die Baumaterialien bis hin zu Abfallkategorien. Dies wird durch entsprechende Algorithmen bzw. Zuordnungen erreicht. Insbesondere diese „Übersetzung“ potenziell abgehender Bauabfallmengen in Abfallkategorien und die damit verbundenen Qualitäten der Abbruchmaterialien sind im INTEGRAL-Projekt von Bedeutung, da hieran Recyclingprozessketten  und entsprechende Flächenbedarfe für deren regionale Realisierung anknüpfen.

 

Anschlussfähigkeiten und Synergien

 

Beide Ansätze verfolgen im Grundsatz einen Bottom-Up-MFA-Ansatz. Gemeinsamkeit in der Strukturierungslogik der verwendeten Gebäudetypologie sind – bezogen auf das gemeinsam betrachtete Segment der Wohngebäude – die Klassifikation nach Baualtersklassen und Gebäudegrößen. Beide Ansätze gliedern Gebäude nach Bauteilen und verfolgen dabei eine entsprechende bauteilbezogene Gliederungslogik (DIN 276). Auch das Vorgehen mit Blick auf Schadstoffbelastungen ist vergleichbar (baualtersklassenbezogene Bauteil-Liste mit Hinweisen auf mögliche Schadstoffe).

 

Beide Ansätze dienen der Stärkung der Verwertung von abgehenden Baustoffen aus dem Bauwerksbestand. Hinsichtlich der anvisierten Verwertungswege sind die Ansätze komplementär. Während das WieBauin-Kataster auf die Wiederverwendung von Bauteilen fokussiert, orientiert das INTEGRAL-Kataster in erster Linie das Recycling abgehender Baustoffe.

 

Ergebnis

 

Folgende Themenbereiche wurden identifiziert, denen an der Schnittstelle der Vorhaben WieBauin und INTEGRAL eine größere Aufmerksamkeit gewidmet werden soll:

 

Harmonisierung

 

Grundsätzlich ist es anzustreben, Katasterinitiativen besser aufeinander abzustimmen. Dies gilt insbesondere für die Systematik der Typenbildung sowie die Gliederungslogik der Material- und Bauteilkategorien. So könnte eine Zusammenführung von Informationen aus den unterschiedlichen Katasterkonzepten ermöglicht werden und u.a. zur Validierung von Informationsgrundlagen genutzt werden.

 

Das im IÖR entwickelte und in INTEGRAL exemplarisch angewendete Materialkataster basiert auf umfangreichen Untersuchungen zur Gliederung von Materialkategorien für einen breiten Anwendungskontext und adressiert Fragen der Rohstoffsicherung, des Bauwesens, der Abfallwirtschaft sowie des Klimaschutzes gleichermaßen. Eine Veröffentlichung hierzu erscheint in der Reihe UBA-Texte im Frühsommer dieses Jahres. Implementiert ist diese Logik in einer Gebäudetypendatenbank für den deutschen Gebäudebestand. Vereinbart wurde zu prüfen, inwieweit die verwendeten Materialkategorien der beiden Ansätze ineinander überführt werden können. Speziell soll geprüft werden, inwieweit sich Informationen aus der deutschen Gebäudetypologie eignen, die für den lokalen Anwendungsfall entwickelte Informationsbasis aus WieBauin zu validieren. Dabei können weitere Fragen der Schnittstellen zwischen beiden Ansätzen erörtert werden. Hieraus werden Erkenntnisse für das übergreifende Anliegen der Harmonisierung entsprechender Datengrundlagen erwartet.

 

Verwertungskaskaden

 

Beide Vorhaben fokussieren in den Anwendungsfällen unterschiedliche Stufen der Verwertungskaskade: Wiederverwendung (WieBauin) und stoffliche Verwertung durch Recycling (Integral). Perspektivisch erscheint es sinnvoll, beide Verwertungswege übergreifend im Sinne eines Gesamtansatzes zu beleuchten. Diese Diskussion gilt es perspektivisch weiter voranzutreiben.

 

 

 

Teilnehmer des WS

 

Team WieBauin:

 

Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Linke, TU Darmstadt, Fachgebiet Landmanagement

 

M.Sc. Miriam Mayer, TU Darmstadt, Fachgebiet Landmanagement

 

M.Sc. Luisa Ritter, TU Darmstadt, Fachgebiet, Landmanagement

 

Dipl.-Ing. Nourdin Labidi, TU Darmstadt, Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung

 

 

 

Team INTEGRAL:

 

Dr.-Ing. Georg Schiller, IÖR Dresden

 

Dipl.-Ing. Karin Gruhler, IÖR Dresden

 

Dipl.-Geogr. Daniel Kretzschmar, TU Dresden, Professur Landmanagement

 

 



Stadt-Land-Plus Statuskonferenz 2020

Auch im Jahr 2020 ist das Projekt WieBauin, als eines von bereits 22 interdisziplinären Verbundvorhaben der BMBF-Förderinitiative Stadt-Land-Plus, bei der Statuskonferenz vertreten. Die Statuskonferenz stellt für alle Projektbeteiligten eine gute Möglichkeit dar, sich mit anderen Vorhaben zu vernetzen und sich über die in den jeweiligen Projekten gewählten Forschungsansätze und praktischen Umsetzungsstrategien auszutauschen.



Stadt-Land-Plus Statuskonferenz 2019 im Schloss Auerbach

Als eines von zwölf Verbundvorhaben der BMBF-Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ nahm das Projekt WieBauin Ende Oktober an der Statuskonferenz im Schloss Auerbach teil. Die Teilnehmer tauschten sich dort über den Stand der Arbeit in den einzelnen Verbundvorhaben aus und präsentierten die Highlights ihrer Ergebnisse.

Weitere Informationen zur Statuskonferenz und insbesondere zu den vorgestellten Highlights des Projektes WieBauin finden Sie hier.



Öffentliche Informationsveranstaltung zum Forschungsprojekt WieBauin war ein großer Erfolg

Am 31. Januar 2019 konnten sich Besucher*innen im Rathaus der Gemeinde Münster (Hessen) über das Projekt WIEBAUIN – Wiederverwendung von Baumaterialien innovativ informieren.

 Das von der TU Darmstadt, der Stadt Darmstadt, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie den Gemeinden Münster und Otzberg durchgeführte Forschungsprojekt WieBauin hat die Wiederverwendung von Baumaterialien zum Ziel.

Nicht mehr genutzte oder nicht mehr nutzbare Gebäude sollen zukünftig als alternative Quelle für Baumaterialien dienen. Dadurch soll die Umweltfreundlichkeit des Bausektors verbessert und eine zusätzliche Einnahmequelle für Eigentümer erschlossen werden. Hierfür sollen verschiedene Bauteile, beispielsweise Fenster oder Türen, aber  auch Baumaterialien, wie Ziegel oder Sandstein, gewinnbringend an Bauherrn von neuen Bauvorhaben vermittelt werden. Durch diese Wiederverwendung lässt sich der Anteil an neu zu produzierenden Materialien verringern und so eine Ressourcenschonung erzielen. Auch die Kosten zur Entsorgung von Altmaterialien können auf diese Weise für den Eigentümer verringert werden.

 

Viele interessierte Besucher*innen folgten dem Aufruf zur Teilnahme und informierten sich über das in ihrer Region neue Projekt WIEBAUIN. Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr.-Ing. H. J. Linke geleitet, der im Rahmen des Programms nicht nur die beteiligten Projektpartner zu Wort kommen ließ, sondern auch auf zahlreiche Fragen und wertvolle kritische Anmerkungen des Publikums einging.

 

Das Projektteam bedankt sich bei allen Besucher*innen für die rege Teilnahme und hofft auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den engagierten Bürger*innen der beteiligten Gemeinden. Ergänzt durch die Erfahrungen aus der Abbruch- und Entsorgungswirtschaft des Landkreises Darmstadt-Dieburg und der Stadt Darmstadt hoffen wir in den kommenden Jahren auf spannende und zielführende Projektergebnisse.

 

 



31.01.2019: Einladung zur öffentlichen Auftaktveranstaltung des Forschungsprojektes WieBauin im Rathaus der Gemeinde Münster (Hessen)

Am 31.01.2019 ab 17:30 Uhr haben Besucher*innen die Möglichkeit, sich im Rathaus der Gemeinde Münster (Hessen) über das Projekt WIEBAUIN zu informieren. Adressaten dieser Veranstaltung sind Akteure der Abbruch- und Entsorgungswirtschaft, Behörden, kommunale Politiker*innen und interessierte Bürger*innen aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Stadt Darmstadt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Wir laden Sie daher ganz herzlich ein, an der Veranstaltung teilzunehmen!

 

Programm


      ab 17:30 Uhr

18:00 - 18:15 Uhr

18:15 - 18:30 Uhr

18:30 - 18:45 Uhr

18:45 - 19:00 Uhr

19:00 - 19:15 Uhr

19:15 - 19:45 Uhr

ab 19:45 Uhr

Einlass

Grußworte

Einführung in das Projekt

Ziele der Gemeinde Otzberg

Ziele des Landkreises Darmstadt-Dieburg

Ziele der Stadt Darmstadt

Forschungsansätze der TU Partner

Fragerunde der Zuhörer*innen



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12. - 13.11.2018: WieBauin fährt nach Berlin

Am 12. und 13. November 2018 findet in Berlin die Auftaktveranstaltung der BMBF-Fördermaßnahme "Stadt-Land-Plus" statt. Als eines von 13 Projekten der Initiative, werden auch die Motivation und die Ziele von WieBauin vorgestellt.

 

Weitere Informationen zur Auftaktveranstaltung finden Sie hier.